Freitag, 8. September 2006
Wie alles begann... (2)
Ich will es nicht verschweigen, nein, es ist zu wichtig: In den ca. fünf Jahren, in denen ich gar kein Spiel spielte, meinte ich, dieser infantilen Zeitverschwendung entwachsen zu sein. Ich dachte, dass ich nun schließlich doch die Position der Elterngeneration eingenommen hätte, den Blick der Alten, die nur kopfschüttelnd uns Kinder bei unserem Computerspiel wie aus sehr großer, sehr unüberwindbarer Entfernung beobachteten. Aus der Perspektive meiner Kindheit und Jugend hat mein heutiges Ich einen glatten Verrat an seinen damaligen Idealen begangen, denn ich erinnere mich, wie ich noch als Teenager, als die großen Diskussionen um die "Killerspiele" begannen, wie ich es damals als Selbstbestimmungsrecht oder Akt meiner persönlichen Mündigkeit ansah, diese so bösen Spiele zu benutzen und die elterliche Ignoranz zu verachten: Die Alten hassen eine der wenigen Sachen, die mich glücklich machen können.
Aber fünf Jahre gingen ins Land. Ich spielte selbst nicht mehr, es hörte einfach irgendwann auf. Ich sah LAN-Parties nur noch als Beobachter von außen, z.B. in Fernsehdokus: Kinder und Jugendliche, die wie gebannt, ja, wie unter einem unheimlichen Bann stehend durch ein Fenster IRGENDwohin starrten, wo ich nichts mehr erkennen konnte; deren Gesichter von einem künstlichen, weißen, flackernden Licht grell angestrahlt wurden. Und alle Ohren unter Kopfhörern. Und zusammengekniffene Augen, verzerrte Gesichter, Schreie, Flüche. Und Erfurt.
Ich begann zu verstehen: Dieses alles ist dumm und ich werde es nie wieder tun. Aber diese fünf Jahre gingen vor kurzem zu Ende...

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